Hier kommt nun endlich mein Bericht über das Konzert. Besser spät als nie, nicht wahr? ;-)
Ich war zum ersten Mal im Dortmunder Konzerthaus und kann nur sagen: Wow, was für eine wunderschöne Location und diesen beiden Bands so absolut angemessen! Ich liebäugele bereits mit anderen Konzerten, die dort in den nächsten Monaten stattfinden. Beispielsweise von Agnes Obel.
Schade fand ich, dass Dear Reader nur der Support für Miss Li waren und deshalb nur ca. 45 Minuten gespielt haben. Ich habe die Band bereits auf dem Haldern Pop 2009 gesehen und lieben gelernt, was sich auch nicht geändert hat, obwohl sich die Besetzung seit damals ziemlich radikal geändert hat. Übrig geblieben ist seitdem lediglich Sängerin Cherilyn MacNeil, die vier weitere tolle Musiker um sich geschart hat. Die Südafrikanerin lebt mittlerweile in Berlin und kann auch schon recht gut deutsch - allerdings nicht perfekt, was zu sehr niedlichen, oft denglischen Ansagen zwischen den Songs führte, was noch dadurch verstärkt wurde, dass sie die ganze Zeit total aufgeregt wirkte. Und was "Zugabe" bedeutet, musste ihr das Publikum an diesem Abend erst beibringen. ;-) Wobei ich mich doch frage, ob ich zu naiv bin und sie das ironisch meinte, dass sie das Wort und dessen Bedeutung nicht kennen würde? Wie dem auch sei, es wirkte jedenfalls sehr echt auf mich und sie hat sich dann auch zu einem weiteren Lied überzeugen lassen, obwohl sie ein schlechtes Gewissen hatte, wo sie doch nur Support waren.
Es ist übrigens untertrieben, Cherilyn als Sängerin zu bezeichnen, denn sie spielt auch Keyboard, Gitarre und Akkordeon; und auch den anderen Mitgliedern kann man nicht je einem Instrument zuordnen. Das hat mich schon 2009 so fasziniert, das jedes Bandmitglied etliche Instrumente beherrscht und zu jedem neuen Song zu einem anderen greift. So spielt Jean-Louise Nel ebenfalls Keyboard, Gitarre, außerdem Bass und Violine. Martin Wenk spielt Akkordeon, Trompete, Mandoline, Bass und Synthesizer. Und Erik Sunbring spielt ebenfalls Gitarre und Bass. Natürlich spielen selten zwei Leute gleichzeitig dasselbe Instrument, manchmal fragt man sich, warum sie ständig wechseln, anstatt das sich jeder auf ein Instrument konzentriert. Wahrscheinlich machen sie das, weil sie es können *g* und es wirklich hinkriegen, ohne das dadurch jemand schlechter spielen würde. Lediglich Schlagzeuger Jocob Lind bleibt seinem Instrument während des ganzen Konzertes treu.
Trotz der Kürze des Auftrittes war es jedenfalls ein wunderschönes Konzert, das auch gerne noch eine Stunde länger hätte gehen dürfen. Ich liebe es, wenn es einer Band gelingt, diese gewisse, zauberhafte Stimmung hervorzurufen, die mich einfach mitnimmt, mich träumen und die Zeit und alles andere um mich herum vergessen lässt.
Eine komplette Setlist habe ich leider nicht mitgeschrieben oder ergattern können, aber an einige Lieder erinnere ich mich doch sehr klar. Da waren The Same, Great White Bear, Dear Heart, Whale (BooHoo) und Monkey. Wobei ich mir bei Letzterem nicht wirklich 100%ig sicher bin, aber ich meine mich doch daran erinnern zu können.
Einige Fotos: Man beachte wie gesagt, den ständigen Instrumentenwechsel.
Auf den Vorderseiten der Keyboards von Cherilyn und Jean-Louise steht zudem die wenig optimistische Songzeile aus FOX, vom neuen Album Idealistic Animals: They say, there is no hope. (Zugleich übrigens auch ein Bibelzitat) Ich habe jedenfalls Hope, dass Dear Reader bald noch mal viel bekannter werden und dann hoffentlich auch viel häufiger Zugaben auf ihren Konzerten verlangt werden. ;-)
Jean-Louise Nel
Cherilyn MacNeil
Miss Li war ja dieses Jahr auf dem Haldern, aber dusselig wie ich bin, habe ich sie verpasst. An diesem Tag war nun also der Moment gekommen, das nachzuholen und die weite Fahrt nach Dortmund hat sich dafür absolut gelohnt! Was für Engerie in dieser Frau steckt, ist sagenhaft! Und ich bekam beinahe etwas Sorge, als sie mit ihren hohen Absatzschuhen (immerhin keine Highheels, aber trotzdem) so schnell die Treppe am Rande des Publikums hinauf lief, als hätte sie Sportschuhe an. Was sie da oben gemacht hat, weiß ich übrigens nicht, weil ich es von meinem Platz aus (9. Reihe) nicht erkennen konnte. Wahrscheinlich hat sie einige Hände geschüttelt, vermute ich? Es dauerte jedenfalls ca. eine Minute, ehe sie wieder hinunterwetzte und wieder auf die Bühne kletterte und weiter sang, als wäre nichts gewesen.
Das neue, aktuelle Album besitze ich leider noch nicht und ha€be es bisher noch nicht gehört, aber das war auch nicht so schlimm. Ich konnte trotzdem bei allen Liedern sofort mitwippen. Ich fand es aber doch etwas schade, dass das Publikum insgesamt ziemlich steif war und an seinen Sitzplätzchen klebte und als einzige aufstehen und sich von seinem Hintermann anmotzen lassen, will man dann natürlich auch nicht ... Zwischendurch gelang es Miss Li zwar mal, das Publikum zum aufstehen zu animieren, aber anschließend setzten sich alle wieder. *seufz*
Bei Dear Reader fand ich das Sitzen nicht schlimm, da es ja doch sehr ruhige Musik ist, aber Miss Li ist ja doch durchaus tanzbar. Immerhin gab es ja auch ein paar langsamere Lieder, aber oftmals fiel mir das sitzen bleiben doch schwer. Und anderem spielten sie und ihre Band Dancing the whole way home und Oh Boy, als Zugaben gab es dann Bourgeois Shangri-La und Ba ba ba. Zu den Zugaben stand das Publikum dann auch endlich auf und blieb beide Lieder stehen. *juhu* Hätte ich ausgerechnet bei Bourgeois Shangri-La sitzen bleiben müssen, wäre ich wahrscheinlich an Ort und Stelle gestorben. ;-)
Trotz des etwas steifen Publikums gab es übrigens dennoch sehr viel Applaus und auch dieses Konzert war meiner Meinung nach viel zu kurz.